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Herr N., ein Mann in reiferen Jahren, der sich berechtigt schon auf seine Pension freuen durfte, saß in froher Runde mit Freunden beisammen. Es wurde gegessen, getrunken, gescerzt und gelacht. Jugenderinnerungen wurden aufgefrischt und manch guter Witz erzählt. Lustig war es. Doch in den Gesprächen kam man auch immer wieder auf das Leben, den Alltag zu reden.
Plötzlich stand die Frage im Raum: "Wenn du ein Buch über dein Leben schreiben würdest, welchen Titel würdest du ihm geben?" Es wurde nachdenklich in der STube, die verschiedensten Titel fielen, mancher ließ das ganze Leben erahnen. Viel blieb offen. Herr N. sagte:"Ich nenne mein Buch ,Das große Suchen´".
Jeder wußte, daß dieser Titel für sein Leben treffend war, und doch tat Herr N. allen leid. Betroffene Ruhe kehrte ein. Es stellten sich alle die Frage:"Hat er in seinem Leben noch nichts erreicht? Hat er seinen Weg noch immer nicht gefunden? Ist er unzufrieden auf seiner Suche?" Auch seine Frau schien getroffen zu sein, denn auch für sie stellte sich die Frage: "Kann ihn meine Liebe nicht glücklich machen? Kann ihn unser gemeinsames Leben nicht erfüllen?"

Im Raum war die Belastung durch diese Antwort und die ausgelösten Reaktionen spür- und erlebbar. Die Situation verlangte nach einer Antwort, und sie ließ nicht lange auf sich warten. "Ihr braucht gar nicht den Kopf hängen zu lassen, ich stehe zu meinem Buchtitel und zu meinem Leben. Mein Leben ist und war immer ein großes Suchen. Ich kann nur hoffen, daß es mein ganzes Leben lang so bleibt. Zwar möchte und kann ich euch hier und da mein ganzes Leben nicht erzählen, aber denkt einmal selbst nach; wer wirklich lebt, der sucht.
Zuerst habe ich mich gesucht, und da bin ich noch immer auf der Suche.
Die Kindheit, die Pubertät, die Zeit dr Jugend und das Reifen mit den Jahren sind nur Schritte zu mir.
Dann suchte ich nach einer Partnerin für mein Leben. Ja, ich habe sie gefunden, aber immer werde ich sie suchen. Nein, keine neue Partnerin; aber meine Partnerin erforschen, begreifen, ergründen, verstehen zu suchen, werde ich weiterhin versuchen.
Auch in meinem Beruf bin ich auf der Suche. Und nunja, GOTT - den meine ich manchmal gefunden zu haben, und dann bin ich wieder unterwegs auf der Suche nach ihm.
All das hat nichts mit Hoffnungslosigkeit oder gar mit Unzufriedenheit zu tun, ich suche, und dadurch gehe, lebe ich. Darum hoffe ich auch, daß ich mein ganzes Leben lang noch weiter suchen werde und am Schluß wiederholen kann: Mein Leben "Das große Suchen". Doch eine Hoffnung und Zuversicht habe ich, und zwar, daß ich, wenn ich für immer die Augen schließen werde, sagen kann:
Es ist vollendet. Mein Suchen hat ein Ende, ich habe gefunden, wonach ich mein Leben lang gesucht habe."

Still wurde es bei Tisch, denn jeder entdeckte auch bei sich das große Suchen.


(Peter Feichtinger)
 
Kontakt-Email: cs@b-g-s.at
 
hochgeladen von:
GICA
am: 11.06.2009
um: 13:03:15
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