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Erste Adventspredigt im Vatikan im Zeichen der Auseinandersetzung mit dem „neuen Atheismus“ im Abendland

Rom (kath.net) Am heutigen Freitag fand die erste der traditionellen Adventspredigten des Predigers des Päpstlichen Hauses, P. Raniero Cantalamessa OFMCapp, statt, die er unter das Thema „Die christliche Antwort auf den atheistischen Szientismus“ stellte. Cantalamessa beleuchtete die Grenzen der wissenschaftlichen Thesen, die die Nichtexistenz Gottes beweisen wollen, und unterstrich, dass das Geheimnis der Fleischwerdung „die radikalste Antithese zur szientistischen Weltanschauung“ sei.

Cantalamessa erklärte einige der Knotenpunkte, die viele Länder antiker christlicher Tradition die Botschaft des Evangeliums ablehnen ließen. Im Besonderen beschäftigte er sich mit dem Phänomen des Szientismus, der die religiöse Erkenntnis und die Theologie in den Bereich der reinen Einbildung verbannen möchte. Der Prediger erinnerte an die Thesen derer, die wie der militante Atheist Richard Dawkins dazu kämen, jene Wissenschaftler als „Analphabeten“ zu bezeichnen, die sich als Gläubige zu erkennen gäben. Diese Thesen würden sich als falsch erweisen, dies nicht auf der Grundlage von Argumenten des Glaubens, als vielmehr durch die Analyse der Ergebnisse der Wissenschaft und der Meinungen vieler berühmter Wissenschaftler.

Cantalamessa verglich die atheistischen Wissenschaftler in einer Metapher mit den Nachtvögeln, die nichts von der Welt bei Tag wüssten. „Ein Forscher vom Kaliber eines Max Planck, dem Begründer der Quantentheorie, sagt über die Wissenschaft das, was Augustinus, Thomas von Aquin, Pascal oder Kierkegaard von der Vernunft sagen: ‚Sie führt bis zu einem Punkt, über den hinaus sie uns nicht mehr weiterführen kann.‛ Ein Wissenschaftler oder Atheist, der behauptet ‚Es gibt keinen Gott‛, urteilt über eine Welt, die er nicht kennt, und wendet seine Gesetze auf ein Objekt an, dass außerhalb seiner Erreichbarkeit liegt. In diesem Sinn stimmt noch die alte Bemerkung des Psalmisten: Die Toren sagen in ihrem Herzen, es gibt keinen Gott.“ Um Gott zu sehen, sei es notwendig, ein anderes Auge zu öffnen und aus der Nacht herauszutreten.

Die ablehnende Haltung des Szientismus dürfe sich bei den Gläubigen nicht in Misstrauen gegenüber der Wissenschaft oder in deren Ablehnung verwandeln. Damit würde man vor allem gegen den Glauben selbst verstoßen: „Die Geschichte hat uns schmerzhaft gezeigt, wohin eine derartige Haltung führen kann“.

Als Beispiel für eine gegenüber der Wissenschaft offene und konstruktive Haltung verwies Cantalamessa auf den seligen John Henry Newman, der zur Evolutionstheorie Darwins geschrieben habe: „Die Theorie des Herrn Darwin muss nicht notwendig atheistisch sein, egal ob sie wahr ist oder nicht; sie kann einfach eine erweiterte Vorstellung der Göttlichen Vorsehung und Fähigkeit andeuten... Auf den ersten Blick sehe ich nicht, wie ‚die zufällige Evolution der Organismen’ nicht mit dem göttlichen Plan zusammenstimmen würde – sie ist zufällig für uns, nicht für Gott“.

Die Diskussion über den Szientismus führt für Cantalamessa zu einer Auseinandersetzung mit einem für die Neuevangelisierung entscheidenden Thema: das heißt mit der Stellung des Menschen im Universum. Die szientistische Weltanschauung würde zusammen mit dem Menschen auch Christus aus dem Mittelpunkt des Universums entfernen. Der Mensch werde zu einem Unfall der Geschichte herabgewürdigt, zu einem Eindringling „in der erdrückenden und feindseligen unendlichen Größe des Universums“.

Dieses Menschenbild habe nunmehr auch praktische Folgen auf der Ebene der Kultur und der Denkart. Auf diese Weise würden sich gewisse Exzesse des Ökologismus erklären, die dazu neigten, die Rechte der Tiere und sogar der Pflanzen mit denen des Menschen gleichzustellen: „Es ist bekannt, dass es Tiere gibt, die sehr viel besser umsorgt und ernährt werden als Millionen von Kindern“.

Das Christentum zeige dagegen, dass der Kosmos für den Menschen da ist und nicht umgekehrt. Es handle sich hierbei um das genaue Gegenteil der szientistischen Weltanschauung, der es gefalle, den Menschen all seiner Ansprüche auf Superiorität gegenüber der restlichen Natur zu entkleiden. Ergebnis des Szientismus sei eine „atheistische Enthumanisierung“. Der Christ wisse, dass der höchste Ausdruck seiner Würde und Berufung als Mensch in der „Vergöttlichung“ der Person bestehe. Insofern der Mensch beziehungsfähig sei, habe er an der personalen und relationalen Dimension Gottes Anteil.

Die entscheidende Frage besteht für Cantalamessa darin, „ob wir, die wir danach streben, die Welt neu zu evangelisieren, fähig sind, unseren Glauben in diese schwindelerregende Dimensionen auszuweiten“: „Glauben wir wirklich aus ganzem Herzen, dass alles durch Christus und auf Christus hin geschaffen ist?“

Weihnachten, so die Antwort Cantalamessas, sei die ideale Gelegenheit, um dieses gemeinsame Erbe der Christenheit neu vorzubringen: „Das Wort ist fleischgeworden, damit wir selbst vergöttlicht werden können“. Aus diesem Grund sei Weihnachten die „radikalste Antithese zur szientistischen Weltanschauung“: „Wir sind nicht das Ergebnis des Zufalls, sondern der unendlichen Liebe Gottes.
 
 
hochgeladen von:
tannenbaum38
am: 03.12.2010
um: 20:28:53
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