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Niels Christian Hvidt, Christian Prophecy – the Post-Biblical Tradition,
Oxford/New York: Oxford University Press, 2007

Niels Christian Hvidt hat in diesem Buch ein ganzes Kapitel über die Prophetin Vassula Rydén geschrieben, absolut positiv. Er hat Kardinal Ratzinger gebeten es zu lesen und ein Vorwort zu schreiben. Nachdem Kardinal Ratzinger das Buch gelesen hatte schrieb er folgendes Vorwort:

VORWORT
Was ist ein Prophet? Ein Prophet ist nicht ein Wahrsager. Das wesentliche Element des Propheten ist nicht, dass er zukünftige Ereignisse vorhersagt, sondern Prophet ist einer, der aus der Berührung mit Gott die Wahrheit sagt, und zwar die Wahrheit fair heute, so dass sie freilich auch die Zukunft erhellt.
Dabei geht es aber nicht um die Vorhersage von Details, sondern darum, die Wahrheit Gottes in dieser Stunde präsent zu machen und damit zugleich den Weg anzugeben. In Israel hat das insofern seine besondere Funktion, als der Glaube wesentlich Hoffnung ist auf den Kommenden hin, insofern ein Wort des Glaubens immer vor allen Dingen den Glauben in seiner Hoffnungsstruktur realisiert und die Hoffnung weiter voranführt und lebendig hält. Wichtig ist auch, dass der Prophet kein Apokalyptiker ist, obwohl er sich damit berühren kann, aber er beschreibt nicht wesentlich die letzten Dinge, sondern hilft, jetzt den Glauben als Hoffnung zu verstehen und zu leben.
Ähnlich muss der Prophet zwar immer das Wort Gottes als schneidendes Schwert in die Zeit hineinhalten, ist jedoch nicht wesentlich ein Kult- und Institutionenkritiker. Er muss immer wieder gegen das Mißverständnis und den Missbrauch des Wortes und der Institution den lebendigen Anspruch Gottes präsent halten, aber trotzdem wäre es falsch, das Alte Testament als eine reine gegenläufige Dialektik von Propheten und Gesetz zu konstruieren. Sofern und soweit beide von Gott kommen, haben sie beide prophetische Funktion. Das ist ein Punkt, der mir sehr wichtig ist, weil wir damit in das Neue Testament kommen. Mose selbst wird ja am Ende des Deuteronomium als Prophet bezeichnet und bezeichnet auch sich selber als solchen. Er kündigt Israel an:
Einen Propheten wie mich wird Gott dir schicken. Da bleibt dann die Frage:
Was heißt da "einen Propheten wie mich"? Ich glaube, der entscheidende Punkt ist, dass - wiederum nach dem Deuteronomium - das Besondere bei Mose war, dass er mit Gott redete, wie ein Freund mit einem Freund redet. Darin wurde ich den Kern oder die Wurzel des Prophetischen sehen. Es ist genau dieses "Auge in Auge mit Gott", dieses "Reden wie ein Freund mit einem Freund".
Von dieser direkten Begegnung mit Gott her kann der Prophet dann in die Zeit hinein reden.
Mit Christus ist die Offenbarung an ihr Ziel gelangt, weil - wie Johannes vom Kreuz sehr schon sagt - wenn Gott sich selbst gesagt hat, nichts mehr darüber hinaus zu sagen ist. Man kann nicht über den Logos hinaus etwas sagen. Er ist ganz da, und etwas Größeres als sich selber kann Gott nicht geben und nicht sagen. Aber gerade diese Ganzheit der Selbstgabe Gottes - dass er als der Logos nun selbst im Fleisch da ist - bedeutet zugleich, dass wir immer weiter in dieses Geheimnis hineingehen müssen. Insofern verbindet sich das mit der Hoffnungsstruktur. Das Angekommensein ist die Eröffnung einer immer tieferen Bekanntschaft und dann ein allmähliches
Erkennen dessen, was in dem Logos geschenkt ist. Gerade damit ist in einer neuen Weise das Eingeführtwerden in alle Wahrheit eröffnet, wie Jesus bei Johannes sagt, wo er von dem Kommen des Heiligen Geistes redet2. Die pneumatologische Christologie der Abschiedsreden Jesu ist für unser Thema sehr wichtig, insofern Christus erklärt, dass die Ankunft im Fleische nur ein
erster Schritt war. Die eigentliche Ankunft vollzieht sich, indem Christus nicht mehr an einem Ort oder an einen lokal fixierten Körper gebunden ist, sondern als der Auferstandene im Geist zu allen kommt, womit auch die Einführung in
die Wahrheit ihre immer weitergehende Tiefe empfängt. Insofern ist es klar, dass - gerade wenn diese pneumatologische Christologie die Zeit der Kirche bestimmt, also die Zeit des im Geist kommenden Christus ist - das prophetische Element als Hoffnungs- und Vergegenwärtigungselement nicht
fehlen und nicht fallen kann. Gerade durch die Charismen behält Gott sich das Recht vor, immer wieder unmittelbar in die Kirche hineinzureden, sie aufzuwecken, zu warnen, zu fordern und zu heilen. Diese charismatisch-prophetische Geschichte durchzieht die Zeit der Kirche, und hier haben prophetische Gestalten eine große Rolle gespielt.

Dr. Niels Christian Hvidt hat schon viele Jahre im Rahmen der Fundamentaltheologie mit dem Thema der Christlichen Prophetie gearbeitet. Diese
Doktorarbeit ist das Ergebnis seiner Forschung und bietet viele neue Einsichten in dieses komplexe, aber bedeutende Thema. Die Kirchenväter
wussten, dass das Christentum nicht den endgültigen Heilszustand ausmacht, sondern ein Zwischenstadium dessen, was zwischen der Inkarnation Christi und seiner glorreichen Wiederkunft verläuft. Diese Erkenntnis, und was sie für die Beurteilung des Christentums selbst bedeutet, braucht weitere Bearbeitung, und Niels Christian Hvidt gibt dazu einen wesentlichen Beitrag. Hvidt zeigt in dem historischen Teil der Arbeit, dass der prophetische Ruf Gottes durch die Propheten nie die Geschichte der Kirche verlassen hat. In dem fundamentaltheologischen Teil untersucht Hvidt daher den Sinn und die
Voraussetzungen der christlichen Prophetie im Rahmen der Entwicklungen in der Offenbarungstheologie der letzten 50 Jahre, die ein neues Fundament für eine Diskussion der christlichen Prophetie gelegt haben. Dadurch gelangt er zu einem neuen Zugang zum Thema der Aktualisierung der Offenbarung und zur Traditions- und Dogmenentwicklung. Die Prophetie erweist sich in allen Gebieten der Offenbarungsaktualisierung wirksam, ganz besonders im Leben der Kirche selbst, was die soziologischen Ausführungen interessant beleuchten.
Die Prophetie ist jedoch ständig durch die falsche Prophetie gefährdet, die für die wahre prophetische Gabe immer die große Gefahr und Herausforderung war. Wichtig sind die Kriterien, die Hvidt der Beurteilung zur Prophetie erarbeitet hat.
Niels Christian Hvidt hat mit seiner Dissertation weithin theologisches Neuland betreten und damit wertvolle Anstöße für ein Thema gegeben, das weiter bedacht werden muss. Ich wünsche seinem Buch viele aufmerksame Leser.

Joseph Card. Ratzinger
 
 
hochgeladen von:
loveshalom
am: 19.03.2011
um: 17:01:06
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Christliche Prophethie - Was ist ein Prophet?
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